NEWS711-Interview Zocken als Job: Marlut vom VfB

Wir haben Marlut96 im Clubzentrum zum Gespräch getroffen. Foto: NEWS711

Stuttgart - Es ist etwas mehr als ein Jahr her, seit der VfB Stuttgart seine beiden eSportler vorstellte und sich damit in ein ganz neues Gebiet für den Verein wagte.

Als dritter Club in der Bundesliga startete der VfB in das neue Geschäftsfeld und verpflichtete Erhan "Dr. Erhano" Kayman und Marcel "Marlut" Lutz als professionelle Gamer. Bei Turnieren treten die beiden seither für den Verein aus Cannstatt an. Damit haben beide geschafft, was für viele Menschen immer ein Traum bleiben wird: Sie machten ihr Hobby zum Beruf.

Aber wie wird man eigentlich ProGamer und landet dann noch bei einem so großen Club wie dem VfB? Wir haben Marlut einmal auf den Zahn gefühlt.

"Als ich ein Kind war, habe ich schon gerne auf dem PC gespielt", verrät uns Marcel, wie Marlut mit bürgerlichem Namen heißt, im Gespräch. "Aber das war manchmal schwer, weil der Computer meinem Bruder gehört hat, der hat mich nicht immer gelassen."

Mit Fifa 2008 auf der Playstation ging dann alles so richtig los und schon damals packte ihn der Ehrgeiz. "Ich wollte immer der Beste sein, auch im Freundeskreis", gibt der Zocker zu und ergänzt "Das hat mich immer fasziniert". Allerdings gab es damals noch recht wenig Turniere und viele Gamer haben es mit der Ehrlichkeit bei den Onlinecups wie dem FIFA Interactive World Cup nicht so genau genommen. "Außerdem waren mir 90 Spiele in 30 Tagen auch irgendwie zu viel", gibt Marcel zu. 

Fifa 15 brachte dann die Veränderung

2014 wurde Marcel dann auf den Gfinity Cup aufmerksam. Hier konnte man kostenlose Turniere spielen und sogar 100 Pfund gewinnen. "Ich war einer von wenigen Deutschen, die da mitgemacht haben und hab mich dann auch direkt qualifiziert", resümiert Marlut und lacht: "Ich dachte die ganze Zeit, das wäre ein Fake. Kostenlos zu einem Turnier nach London fliegen und sogar Geld gewinnen können. Das kann doch nicht echt sein!"

Damals war auch das erste Mal, dass seine Mutter so richtig mitbekam, dass er da nicht nur vor sich hinspielt. Schließlich brauchte er eine Unterschrift, um am Turnier in London teilnehmen zu dürfen, da er noch keine 18 Jahre alt war. Ebenfalls für das Turnier qualifiziert war sein heutiger Teamkollege Dr. Erhano, mit dem er zuvor Nachrichten austauschte. "Das war ganz gut, so hatte ich beim Turnier auch eine Bezugsperson und war nicht ganz alleine".

Erste Erfolgserlebnisse

Das erste Turnier im Leben lief super für Marlut, der mit dem vierten Platz abschloss. "Ich habe sogar Erhan im Viertelfinale geschlagen", verrät er uns stolz. "Das war ein krasses Erlebnis und hat mich auch bestätigt."

Über FUT champions kam Marcel später in die Top 12 der Weltrangliste und qualifizierte sich so für das FUT Champions Turnier und darüber später für die Weltmeisterschaft. So entstand dann auch die Verbindung zum VfB Stuttgart. Der war nämlich auf der Suche nach Spielern für die neue Sparte im eSport und wollte auf einen bereits bekannten Gamer und einen Newcomer aus der Region setzen. Erhan war schon recht bekannt in der Szene und mit Marlut aus Marbach war dann auch der lokale Profi gefunden.

Jetzt haben die beiden richtige Verträge, verdienen mit ihrem Hobby Geld und laufen im VfB-Dress auf. Der Verein passt für Marlut super: "Fußball ist schon der Sport, den ich einfach mag und zum VfB war durch meinen Vater immer eine Verbindung da".

Außerdem gefällt Marlut, dass der VfB den eSport so schnell vorantreiben will. Schließlich hat auch er sich Ziele für die nahe Zukunft gesetzt: "Ich möchte auf jeden Fall auch auf den sozialen Medien und bei Twitch präsenter sein". Außerdem will Marcel in der nächsten Saison bei allen Turnieren am Start sein und auch gut abschneiden.

Wenn er nicht Fifa zockt, um im Training zu bleiben, nimmt er für den Verein Pressetermine wie mit NEWS711 wahr oder schaut sich die Spiele im Stadion an.

Gibt es Nachteile?

Aktueller Wermustropfen ist für Marcel EA und die aktuelle Spielmechanik. Auch die Server glänzen teilweise nicht durch ihre Stabilität. "Das macht es uns schon manchmal schwer, aber ich hoffe, dass Fifa 19 wieder besser wird", gibt sich der Gamer optimistisch. Die neuen Meldungen von den Spielemessen genießt Marlut mit Vorsicht. Klar, schließlich möchte EA mit seinen Games die breite Masse ansprechen und weniger die ProGamer. 

An die Controller bitte

Zum Abschluss des Gesprächs durften wir uns dann auch live von Marcels Skills überzeugen, der geduldig immer wieder erklärt hat, welche Knöpfe nun die richtigen sind. Der Schwabe kann also nicht nur zocken, sondern ist ein geduldiger und angenehmer Gesprächspartner.

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