NEWS711 fragt nach Interview mit B-Tight über Aggroswing, junge Wilde und das eigene Label

Mit "Aggroswing" taucht B-Tight in die Vergangenheit ein und schlägt ungewohnte Töne an. Foto: B-Tight

Stuttgart - Am 22. Februar ist B-Tights neues Album Aggroswing erschienen. Darin schlägt der Berliner ungewohnte Klänge an und rappt auf, der Albumtitel verrät es, Swingmelodien. Seine freche Schnauze hat der Berliner dabei keinesfalls verloren und die Rhymes sitzen wie eh und je.

Am 20. März hat B-Tight im Rahmen der Aggroswing Tour der Schräglage einen Besuch abgestattet und seine Fans mit den neuen Songs und alten Hits versorgt. Wir haben uns im Vorfeld mit ihm getroffen und ein bisschen über Aggroswing, junge Rapper und seine Auftritte gequatscht.

Aggroswing erinnert musikalisch an die Goldenen 20er, textlich ist B-Tight seiner Attitüde aber treu geblieben. Aber wie kam es eigentlich dazu? "Wir waren mal unterwegs und da war nach dem Konzert im selben Club eine Elektroswing-Party. Dort waren auch alle so kostümiert und da habe ich zum ersten Mal diese Musikrichtung gehört und fand das auch richtig geil", erklärt Bobby. "Ich habe mich dann da reingehört und dachte, dass es eben cool wär, auf so etwas zu rappen."

Die Entstehung von Aggroswing

Der Weg zum Album war dann aber gar nicht so unkompliziert: "Ich habe dann Leute gefragt, ob die sowas produzieren können. Da kamen auch ein paar Vorschläge, die haben mir aber nicht so gefallen", erklärt der Rapper. "Also hab ich mich selber rangesetzt und fand das dann ziemlich geil." Der Produzent war allerdings nicht so überzeugt wie B-Tight: "Das erste, was zurückkam, war 'Was ist das?'". Da er niemanden fand, der das Album nach seinen Vorstellungen umsetzen konnte, hat sich der Berliner einfach selbst um das Album gekümmert und es auf seinem eigenen Label "Jetzt Paul" produziert.

Musikalisch ist es nicht das erste Experiment für B-Tight, er hat bereits auf elektronische Beats gerappt und sogar ein Rockalbum rausgebracht. Aber wie läuft das eigentlich, wenn B-Tight ein Album schreibt? "Zwischendrin fällt mir immer mal so ein Schlagwort oder ein Satz ein, das notier ich mir dann und merke mir das. Einmal im Jahr nehme ich mir dann eine Auszeit und miete mir ein Haus, im Wald oder in den Bergen, wo ich halt Bock hab und bin zwei Wochen am Album schreiben."

Welche Songs auf das Album kommen, entscheidet er dann nicht alleine: "Bei dem aktuellen Album hab ich mich mit Wilma (seine Managerin, Anm. d. Red.), Cheater und Monzy zusammengesetzt und wir haben das Album durchgehört und Punkte vergeben. Der Song mit den meisten Punkten ist dann der Opener geworden und so weiter."

Positives Feedback

Herausgekommen ist mit Aggroswing ein Album, mit dem der Musiker zufrieden ist, einen konkreten Lieblingssong kann er auf die schnelle nicht festlegen: "Das Schöne ist, ich hab seit langem mal wieder ein Album gemacht, das ich selbst durchhören kann. Das ist mir das letzte Mal bei dem Rockalbum passiert. Bei anderen Alben von mir habe ich mich an manchen Liedern auch überhört." Auch bei den Fans kam die neue Platte gut an, Aggroswing ist auf Platz 8 in den Charts eingestiegen und hat in den Hip-Hop-Charts "Palmen aus Plastik 2" von dem ersten Platz verdrängt .

"Das Feedback auf Social Media war überraschend positiv. Ich bin da ja im engen Kontakt mit meinen Fans und bearbeite das auch regelmäßig," resümiert der Berliner. "Klar, ich mach immer erstmal das, worauf ich Bock hab, da ist es im ersten Moment egal, was die Leute sagen. Aber im Endeffekt möchte man dann doch auch für seine Arbeit belohnt werden und hofft, dass man etwas geschafft hat, was andere auch cool finden", gibt er zu.

Jung und wild vs. reif und ruhig

Gehörten B-Tight und Co. früher zu den Jungen Wilden der Szene, ist er heute entspannter geworden, wie er zugibt: "Man wird halt mit vielen Dingen gechillter und gelassener. Ich ärger mich auch nicht mehr, über so viele Dinge wie damals", überlegt er. "Vielleicht ist man auch einfach zufriedener. Ich bin also auf jeden Fall zufriedener geworden als ich damals war." Der große Hype brach aus, als Bobby 21 Jahre alt war. "Ich hatte damals meinen Lebensstil, den hab ich auch zelebriert und denke auch sehr gerne daran zurück", erinnert er sich. "Ich schäme mich da auch nicht und manches schlummert auch immer noch in mir. Manchmal höre ich dann von meinem Umfeld: 'Da isser wieder, der Alte,'" lacht B-Tight. 

Den neuen Jungen Wilden gönnt B-Tight den Erfolg: "Das sei ihnen gegönnt und ich weiß, dass man das auch feiern muss in dem Alter." Neben seiner eigenen Playlist auf der sich Songs der 60er und 80er zum Runterkommen befinden, gibt es auch junge Kollegen, deren Musik er schätzt: "Ich finde ganz geil, was "187 Strassenbande" machen und es gibt auch ein paar Autotune-Geschichten, die ich gut finde. Ich finde auch, das Schöne an Hip-Hop heute ist, dass es so viele Sparten gibt. Wenn man sich informiert und neue Sachen sucht, dann findet man da auch was."

Große Halle vs. kleine Clubs

Von Festivals über kleine Hallen zu großen Clubs: B-Tight hat auf sämtlichen Bühnen Erfahrung und kann allem etwas abgewinnen: "Das hat alles seinen Charme. Ich mag kleine Clubs, wo alles ein bisschen intimer ist. Da kann man auf die Leute reagieren und bekommt alles mit." Klar, das ist auf Festivals nicht so. "Klar ist das geil, wenn eine riesen Menschenmenge vor dir ist und alle im Takt die Hände heben, aber du bekommst keine einzelnen Personen richtig mit." Wenn die Menge in einem kleinen Club Rabatz macht, dann ist das eher sein Ding als große Festivals.

Dem Konzert in Stuttgart blickt B-Tight positiv entgegen: "In jeder Stadt ist es anders, wie die Leute auf mich zukommen. Es gibt schon Städte, da weiß ich, dass es anstrengend wird. Aber in Stuttgart wird es entspannt und respektvoll." Eine Aussage, die sich an diesem Abend bestätigen wird. Die Leute gehen ab und feiern die alten und neuen Songs gleichermaßen. Egal ob "Ich bin's", "Der Neger" oder "Schüsse in die Luft", das Publikum ist textsicher und geht ordentlich mit.

Das eigene Label

Mit seinem eigenen Label will B-Tight auch eigenen jungen Künstlern helfen. Der 19-jährige "Cheater" hat auf der Bonusdisc von Aggroswing vier Songs und auf YouTube ist sein erster Song Online. "Wir bauen den so ganz langsam auf", erklärt  B-Tight. "Ich weiß wie das ist, wenn man als junger Mensch da so reingeschmissen wird in das Haifischbecken. Da gibt es so viele Sachen, die dir passieren können. Er ist aus einem ganz kleinen Ort, alleine das Video hat da schon einen kleinen Hype ausgelöst." Hier möchte er seinen Schützling unterstützen. "Man hat gemerkt, dass er ganz froh war, als der erste Hype vorbei war, wenn plötzlich lauter Fremde auf dich zukommen und du natürlich auch gleich ein paar Hater hast. Da möchten wir mit ihm Schritt für Schritt gehen und ihm auch Zeit geben."

Ihr wollt freshen Rap aus Stuttgart? Hier geht's zu Montazar und dem Kollektiv "Welcome to the Jungle" aus Vaihingen