NEWS711 erklärt Das hat es mit Exhibitionisten auf sich

Exhibitionisten treiben in Stuttgart im Frühjahr wieder vermehrt ihr Unwesen. (Symbolbild) Foto: shutterstock/Ulf Wittrock

Stuttgart - Die Temperaturen steigen, der Sommer steht vor der Tür und wir haben das Gefühl, dass es in dieser Zeit des Jahres besonders viele Exhibitionisten an die frische Luft zieht. Fast täglich trudeln neue Meldungen ein, dass mal wieder jemand die Hose heruntergelassen hat.

Grund genug für uns von NEWS711 mal bei Polizei und Staatsanwaltschaft nachzuhören, was es mit dieser eigenartigen Spezies so auf sich hat.

Dabei erklärte der Stuttgarter Polizeisprecher Jens Lauer uns gleich, dass sich in den wärmeren Monaten tatsächlich mehr Exhibitionisten herumtreiben als im Winter. "Woran das liegt, kann ich allerdings nicht sagen", betont Lauer, "vielleicht ist es ihnen im Winter einfach zu kalt."

 

Was treibt Exhibitionisten eigentlich an?

 

Man muss grundsätzlich zwei Arten von Menschen unterscheiden, die sich vor anderen nackig machen: Die einen, die es legal tun, wie beispielsweise in einem Swingerclub oder einem FKK-Bereich, und die anderen, die ihren Kick darin beziehen, fremden Leuten ihre Nacktheit praktisch aufzuzwingen - den Exhibitionisten.

Laut dem Stuttgarter Paar- und Sexualtherapeut Gunter Heß handelt es sich bei Exhibitionisten um Menschen, die es erregt, wenn sie andere Menschen mit ihrer Nacktheit beziehungsweise ihrem Onanieren erschrecken.

„Bei diesen Menschen geht es nicht nur darum, sich nackt zu zeigen, das machen die Leute im FKK-Bereich auch“, erklärt Gunter Heß, „die Exhibitionisten wollen auffallen, für Aufsehen sorgen. Sie geilen sich am Schrecken ihrer Opfer auf – wenn es sich bei den Opfern um Kinder handelt, ist da auch noch eine pädophile Komponente mit drin“.

 

Was tun, wenn plötzlich ein Exhibitionist vor einem steht?

 

"Auf jeden Fall nicht zu einem Frontalangriff übergehen", rät Polizeisprecher Lauer, "obwohl uns die Erfahrung gezeigt hat, dass Exhibitionisten sehr selten gewaltbereit sind, sollte man immer aufpassen." Viele Opfer würden einfach flüchten und danach die Polizei rufen. Das sei auf jeden Fall eine Option. Handy auspacken sei allerdings auch nicht falsch. "Wir hatten vor Kurzem eine 16-Jährige, die in einer Stadtbahn von einem Mann belästigt wurde. Er hatte begonnen, vor dem Mädchen zu onanieren. Sie packte einfach ihr Smartphone aus und fotografierte den Mann und sein Gemächt. Er floh - und mithilfe des Fotos konnten wir ihn auch noch überführen"- zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen!

Und der Sexualtherapeut Heß ergänzt: "Wenn der Exhibitionist nicht weiter zudringlich wird, ist eine Nichtbeachtung sicher günstiger als eine lautstarke Reaktion. Wird der Täter zudringlich kann es Sinn machen, lautstark um Hilfe zu rufen. In jedem Fall sollte umgehend die Polizei benachrichtigt werden."

 

Was passiert mit Exhibitionisten, wenn sie erwischt werden?

 

Jeder erwischte Exhibitionist wird erstmal angezeigt. Normalerweise wird er nach der Anzeige wieder auf freien Fuß gesetzt. Sollte es sich aber um einen Serientäter - vor allem in Verbindung mit Kindern - handeln, verständigt die Polizei die Staatsanwaltschaft, die dann darüber entscheidet, ob der Täter einem Haftrichter vorgeführt wird und eventuell in der Untersuchungshaft landet.

Wie Heiner Römhild, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart erklärt, kommt es beim Straftatbestand darauf an, vor wem der Täter seine Hosen runterlässt und ob die exhibitionistische Handlung beabsichtigt war. Sind die Opfer Frauen oder Männer (ja, auch Männer werden ab und zu von Exhibitionisten belästigt, allerdings bei weitem nicht so häufig wie Frauen), greift § 183 StGB ("Exhibitionistische Handlungen").

Eine Besonderheit dieses Paragraphen ist, dass er ausschließlich bei Männern angewendet wird. Der Strafrahmen bewegt sich von einer Geldstrafe bis zu einem Jahr Haft - vorausgesetzt, dem Täter kann nachgewiesen werden, dass er die Opfer absichtlich sexuell belästigt hat. Sollte dies nicht der Fall sein, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit. Ein Beispiel: Ein Mann onaniert in einem Supermarkt hinter einer Reklametafel und achtet darauf, dass ihn niemand dabei beobachtet. Er wird erwischt und die Staatsanwaltschaft kommt zum Schluss, dass er bei seiner Aktion nicht gesehen werden wollte. Somit war es lediglich eine Ordnungswidrigkeit, es kann ihn eine Geldbuße erwarten.

Belästigt ein Exhibitionist allerdings Kinder - also Personen unter 14 Jahren - und kann ihm die Absicht nachgewiesen werden, handelt es sich um einen sexuellen Missbrauch von Kindern. Dann greift §176 StGB und dem Täter drohen drei Monate bis fünf Jahre Haft.

 

Gibt es auch exhibitionistische Frauen?

 

Ja, die gibt es, wenn auch selten. "Wenn Frauen so etwas tun, fällt es allerdings unter den Straftatbestand der 'Erregung öffentlichen Ärgernisses' - ähnlich einem Wildpinkler", erklärt Jens Lauer. Dabei tritt dann $ 183a StGB in Kraft - die Täterin erwartet dann eine Strafe von einer Geldstrafe bis zu einem Jahr Haft.

 

Was trägt der gemeine Exhibitionist?

 

Wer kennt es nicht: Das Klischee vom Exhibitionisten im Trenchcoat, der seinem Opfer auflauert, den Mantel öffnet und splitterfasernackt da steht. "Das gibt es tatsächlich auch", so Lauer, "doch es kommt nicht unbedingt häufig vor". Die meisten Täter haben keine "Arbeitskleidung". Viele lassen einfach ihre Hose runter oder hängen ihr Teil aus dem Hosenladen raus, wenn sie onanieren. Wiederum andere stehen darauf, ihren Opfern in Frauenkleidern aufzulauern.

 

Wie alt sind Exhibitionisten in der Regel?

 

"Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die meisten Exhibitionisten zwischen 20 und 50 Jahre alt sind. Unter 20-Jährige sind extrem selten. Und was die Exhibitionisten jenseits der 50 betrifft: Die treiben meistens in Bädern ihr Unwesen."

Zusammenfassend lässt sich also sagen:

Beim Exhibitionismus handelt es sich keinesfalls um ein Kavaliersdelikt. Exhibitionisten sind meistens Männer im Alter von 20 bis 50 Jahren, sie sind in den wärmeren Monaten tatsächlich aktiver, normalerweise sind sie nicht gewaltbereit, trotzdem solltet ihr sie nicht direkt angreifen, wenn sie vor euch auftauchen.

Also: Entweder abhauen oder das Smartphone zücken!

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