News711-Electro „DJs sind für mich keine Musiker, wenn sie nur Musik anderer auflegen“ – Stuttgarter DJ Julson im Interview

Julson und das Wet Tunnel Kollektiv legen häufig im Café Klotz auf. Foto: Julson

Stuttgart - Die Region Stuttgart ist dafür bekannt, im Bereich Hip-Hop immer wieder große Namen hervorzubringen. RIN, Shindy oder Cro sind nur einige Beispiele dafür. Das heißt aber noch lange nicht, dass andere Genres nicht auch in der Landeshauptstadt stattfinden.

Vor allem die elektronische Musik und DJ-Szene findet in mehreren deutschlandweit beliebten Klubs wie dem „Kowalski“, „Freund & Kupferstecher“ oder dem „Lehmann“ eine Heimat. Andere Locations wie die „Bar Romantica“ oder das „Climax“ haben ebenfalls krasse Partyreihen mit starken Bookings zu bieten.

Viele der dort auflegenden Künstler kommen aus Stuttgart oder dem Umland, organisieren hier ihre eigenen Events und haben sich teilweise auch über das Schwabenländle hinaus ein Standing in der Szene erarbeitet.

Wir wollen euch hier regelmäßig aufstrebende Electro-, Techno- oder House-DJs aus der Region und ihre Projekte vorstellen. Zum zweiten Mal haben wir uns nun mit einem DJ des Wet Tunnel Kollektivs im Café Klotz getroffen, diesmal mit Julian aka Julson aka Yung Elephant aka Yung S.

Der 24-Jährige kommt ursprünglich aus Passau, studiert aber seit 2017 an der Hochschule für Technik (HFT) in Stuttgart und hat auch hier erst so richtig mit dem Auflegen angefangen. „Ich bin da so ein bisschen über das Feiern reingerutscht“, sagt er. „Mit Freunden kam da die Intention auf, eigene Partys zu schmeißen und so hat sich das dann ergeben.“

Über das beliebte Stallfest der Hochschule ist Julian zum Wet Tunnel Kollektiv gekommen, von dem er viel schwärmt: „Das ist wirklich sehr cool. Inzwischen sind wir zu siebt und alle über unseren Freundeskreis verbunden.“

Im Kollektiv gehe es vor allem darum, von den Connections der anderen zu profitieren und eine gute gemeinsame Atmosphäre zu genießen. Dies merkt man vor allem im Café Klotz, der Heimat von Wet Tunnel. „Das Klotz ist für uns alle im Kollektiv ein toller Ort zum Starten und sich Ausprobieren. Dort ist es immer cool, auch wenn weniger Leute da sind, weil die Stimmung immer freundschaftlich ist“, sagt Julian.

Die am liebsten gespielten Genres von Julson lassen sich am besten in Deep House/ Melodic Techno einordnen.

„Ich mache gerne melodische Sachen, die auch etwas schneller sein dürfen. In einem Set sollte nach Möglichkeit etwas passieren, daher können gerne ein paar verschiedene Klänge drin sein. Aber da hat jeder so seine Vorlieben, was man eben auch privat hört“, erklärt er. Da gerade zu Electro-Partys Menschen vermehrt wegen der Musik kommen würden, ist es Julian wichtig, dass ein Set oder Track die Leute irgendwo abholt. „Letztlich gibt er jedem das, was er gerade denkt und braucht. Jeder zieht, je nach Stimmung, etwas anderes daraus“, so der 24-Jährige.

Deshalb hat er auch eine klare Meinung zu klassischen, nicht selbst produzierenden DJs: „DJs sind für mich keine Musiker, wenn sie nur Musik von anderen auflegen.“

Auf einer guten Party müsse demnach vor allem der „Flow“ stimmen.

„Die Musik macht etwas mehr als die Hälfte aus, würde ich sagen. Der Rest kommt von der Location, der Dekoration, der allgemeinen Atmosphäre“, sagt Julian. Deshalb feiert er in Stuttgart gerne im Kowalski, wo die Stimmung „etwas gediegener ist als beispielsweise im Lehmann“. Der Klub in der Kriegsbergstraße hat es ihm zudem aus zwei weiteren Gründen angetan. Zum einen gibt es in seiner Heimatstadt Passau ein gutes Restaurant mit demselben Namen, zum anderen hat er im Stuttgarter Kowalski seine Freundin kennengelernt.

Wenn Julian mal nicht in der Hochschule, im Klotz oder anderen Clubs abhängt, genießt er aber vor allem den Balkon in seiner Bude im Stuttgarter Osten. Als Kind vom Land ist ihm eine chillige Balkon-Session meist lieber als ein Trip durch die Stadt.

Bildquelle: Julson

Was die Zukunft angeht, soll es allerdings nicht nur chillig weitergehen, denn es stehen größere Pläne an.

„Das Auflegen ist schön und gut, aber der Anspruch sollte schon dahingehen, auch zu produzieren und das Ganze noch ein bisschen professioneller anzugehen“, betont er. „Das sind Ziele, die wir als Kollektiv in diesem Jahr noch ernsthaft in Angriff nehmen wollen.“

Ihr dürft also gespannt sein, was in Zukunft von Julson und dem Wet Tunnel Kollektiv noch kommen wird. Stay tuned.

ANZEIGE