News711 - DOpe-DOnnerstag Interview Thorsten Jeck von eve&rave Münster e.V "Wenn ihr das machen wollt, dann macht es vernünftig"

eve&rave möchte Drogenkonsum nicht verharmlosen. (Symbolbild) Foto: Shutterstock/Klepach

Stuttgart - Seit es die Menschheit gibt, berauschen wir uns mit allerlei Zeugs. Kauten unsere Vorfahren noch auf irgendwelchen Blättern rum (was einige auch heute noch tun), haben sich die Mittel und Wege, wie sich Menschen Drogen reinpfeifen in den Jahrtausenden immer weiterentwickelt.

Ob man die Substanz jetzt trinkt, raucht, schnupft, kaut, isst oder spritzt - Drogen gibt es in den unterschiedlichsten Formen mit den unterschiedlichsten Wirkungen und natürlich auch Gefahren.

Wir von NEWS711 stellen euch in unserer Reihe "DOpe-DOnnerstag" - kurz "Dodo" - die bekanntesten Rauschmittel dieser Welt vor. Wichtig ist dabei, dass wir die Drogen auf keinen Fall verherrlichen, alles was wir wollen, ist aufklären.

Wenn ihr jemanden kennt, der Suchtprobleme hat oder selbst ein Drogenproblem habt, dann wendet euch bitte an eine Suchtberatung wie zum Beispiel das Servicetelefon vom DRK (0800-365000).

In diesem DoDo-Teil haben wir ein Interview für euch. Wir haben nämlich mit  Dr. Thorsten Jeck gesprochen. Er ist der erste Vorsitzende des Vereins "eve&rave Münster e.V.". Der Verein engagiert sich in der Drogenprävention mit dem Ziel, Konsumenten wertfrei über die Wirkungen und Gefahren von Partydrogen aufzuklären, um akute und Langzeitschäden zu mindern und einen verantwortungsvollen, selbstreflektierten Umgang mit diesen zu fördern.

"Wir haben eine andere Herangehensweise, als die klassischen Drogenberatungsstellen und wollen den Leuten auf Augenhöhe begegnen", erklärt Jeck das Konzept hinter eve&rave. Der Schwerpunkt des Vereins liegt auf Informationsständen in Clubs und auf deutschlandweiten Großveranstaltungen mit elektronischer Musik. Daneben bietet der Verein aber auch Informationsveranstaltungen für Schüler, Studenten, Fahrschüler, Lehrer, Veranstalter und andere Interessierte an.

Die Idee entstand in den 90ern, als man noch nicht so viele Informationen zu den einzelnen Drogen im Internet bekommen konnte.

Die Idee für eve&rave entstand 1994 in Berlin. Wenig später gründeten sich weitere eve&rave-Vereine und Projekte in anderen deutschen Städten und in der Schweiz, von denen heute nur die Vereine in Münster und in der Schweiz existieren.

Begegnung auf Augenhöhe

Drugchecking, wie es in der Schweiz, in Österreich und in einigen anderen Ländern schon seit vielen Jahren durchgeführt wird, ist in Deutschland verboten. Zwar gab es in den 1990er-Jahren zwei Pilotprojekte in Berlin und Hannover, jedoch wurden beide nach unterschiedlich langen Laufzeiten wieder eingestellt. Vor Kurzem startete nach ca. 15-jähriger Pause erneut ein deutsches Pilotprojekt in Berlin.

Hier können bereits gekaufte Pillen von den Konsumenten unter Laborbedingungen auf die Inhaltstoffe geprüft werden. Lebensbedrohliche Zwischenfälle können so vermindert werden, da als bedenklich eingestufte Substanzen in der Regel nicht und hochdosierte Substanzen vorsichtiger konsumiert werden. "Eine Sache, die wir schon auch befürworten würden", erklärt Jeck. "Das führt zudem dazu, dass die Leute ihr eigenes Handeln überdenken".

Ein weiterer Vorteil des Drugcheckings ist, dass qualitativ minderwertige und verunreinigte Pillen so eher aus dem Markt verbannt werden, wenn sich kein Konsument mehr findet. Weitere Informationen zu Drugckecking findet ihr hier.

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Wenn schon, dann verantwortlich konsumieren

Für die Ehrenamtlichen von eve&rave geht es vor allem darum, die Gefahren, die mit dem Konsum von Drogen einhergehen, zu minimieren. "Wir sagen ganz klar, dass es verboten ist. Aber wir sagen den Leuten auch, wenn ihr das machen wollt, dann macht es vernünftig". Dazu gehört für die Experten beispielsweise, dass man MDMA nicht mit anderen Drogen wie Alkohol mischt und auf Koffein verzichtet. "Außerdem machen wir den Leuten klar, dass sie sich sehr genau überlegen sollen, auf welcher Veranstaltung sie eine Pille nehmen und dass sie mehrere Monate Pause dazwischen machen sollten. Sonst ist das Gehirn eben bald Mus", stellt der Experte von eve&rave klar.

Aufklärung ist wichtig

Vor allem in der mangelnden Aufklärung sieht er eine Gefahr. In den Niederlanden wurde zum Beispiel bei der Produktion sehr viel MDMA in jede einzelne Pille gesteckt, da dort nicht die MDMA-Menge, sondern die Anzahl an Pillen eine Rolle bei der Strafverfolgung spielt. Die Konsumenten nahmen dann im Normalfall keine ganze Pille für den Rausch ein. "Wir hatten das Problem, dass das in Deutschland nicht bekannt war, und die Leute hier reihenweise umgekippt sind", erklärt Thorsten Jeck.

Dieses Beispiel zeigt die Wichtigkeit der Aufklärung, denn darum geht es eve&rave. Der Verein möchte keinesfalls den Konsum verharmlosen, sondern den Konsumenten lediglich mehr Sicherheit bieten.

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