Jakob Johnson „Ich liebe Maultaschen und Spätzle!“ – Stuttgarter Footballer Jakob Johnson auf dem Weg in die NFL

Von den Stuttgart Scorpions ging es für Jakob Johnson direkt zu den New England Patriots. Foto: New England Patriots/Eric J. Adler

Foxborough/Stuttgart – Ein waschechter Stuttgarter trainiert seit mehreren Wochen mit den großen Stars des American Football im derzeit besten Team der Welt. Jakob Johnson möchte diese riesige Möglichkeit nutzen und dabei auch von seinen deutschen und schwäbischen Tugenden profitieren.

Geboren im Olga-Hospital, aufgewachsen in Mitte und Filderstadt, am Rotebühlplatz zur Schule gegangen. Jakob ist stolz, Stuttgart als seine Heimat zu bezeichnen. Das zeigt er auch mit einem „0711“-Tattoo auf dem linken Oberarm.

Was früher sein Hobby und seine Leidenschaft war, ist seit einiger Zeit zentraler Lebensinhalt und könnte bald zum langjährigen Beruf werden: American Football.

Die Sportart boomt längst nicht mehr nur in den USA, sondern bekommt auch in Deutschland eine immer größer werdende Fangemeinde und Aufmerksamkeit.

Jakob trainiert im Rahmen eines Programms für internationale Nachwuchstalente seit Anfang April mit den New England Patriots. Dem Team um Superstar Tom Brady. Dem aktuellen Super-Bowl-Sieger. Auch wenn er durch seine Zeit am College das Leben in den USA kennt, hat sich nun schlagartig einiges verändert.

"Ich habe hier lange Tage und kurze Nächte, also viel Football und wenig Schlaf. Alles ist schneller und es herrschen hohe Erwartungen. Es geht 24/7 nur um Football", verrät er uns in einem kurzen Telefonat zwischen Mittagessen und der nächsten Trainingseinheit.

Als Stuttgarter Eigengewächs hat er jahrelang bei den "Scorpions" in der deutschen Liga GFL gespielt. Nun will er sich den Traum von einer NFL-Karriere wahrmachen. "Es ist natürlich ein Unterschied, ob man auf der Waldau unter dem Fernsehturm trainiert oder in Foxborough mit einem NFL-Team", sagt er, betont aber, dass die Umstellung für seine Familie größer ist als für ihn. "Ich war ja schon einmal in den USA, für meine Familie ist es deshalb nochmal etwas anders. Sie kennt den Football, aber denen ist es noch nicht so bewusst, was hier gerade passiert."

Der Traum lebt, der Ehrgeiz stimmt, doch die Konkurrenz ist groß. Nur 53 Spieler schaffen es in den finalen Kader für die Saison. Jakob will sich deshalb voll und ganz auf sich fokussieren. "Ich will das kontrollieren, was ich kontrollieren kann und ständig an mir arbeiten. Ich möchte mir so wenig wie möglich den Kopf zerbrechen, denn das hilft mir im Moment nicht weiter", bleibt er bescheiden.

Dabei könnte ihm seine deutsche Herkunft in die Karten spielen.

"Ich habe in den USA gemerkt, wie sehr mich das Aufwachsen in Deutschland geprägt hat", erklärt er. "Pünktlichkeit und Ordentlichkeit spielen bei mir eine wichtige Rolle und, dass alles gut organisiert ist."

Auf die Frage, was Jakob denn an Stuttgart am meisten vermisse, kommt es wie aus der Pistole geschossen: "Ganz klar meine Familie und das Essen."

Kulinarisch kann es seiner Meinung nach niemand mit dem Schwabenländle aufnehmen, auch keine andere Region in Deutschland. "Ich liebe Maultaschen, Spätzle und auch Schupfnudeln mit Sauerkraut. Im Süden weiß man einfach, was gut ist", schwärmt er und fügt hinzu, dass man vom amerikanischen Bier erst gar nicht erst anfangen brauche.

Wenn es in Stuttgart früher einmal ums Feiern oder Abhängen ging, war Jakob übrigens am liebsten in der "Schräglage" oder im "Freund & Kupferstecher" unterwegs. "Die Musikrichtung war nicht so wichtig, Hauptsache es war was los. Auch die Corso-Bar habe ich gemocht, aber die gibt es wohl leider nicht mehr so lange", sagt er.

Wenn er seine Heimat in drei Worten beschreiben müsste, würde er "lebendig, jung und vor allem warm" wählen, denn die Region rund um Boston, wo er jetzt lebt, ist nicht gerade für sein gutes Wetter bekannt.

Zu guter Letzt müssen wir natürlich noch fragen, ob er denn auch mit dem VfB mitleide und bekommen ein "Ja" als Antwort. Er verfolgt die Bundesliga so gut es geht, bekommt vieles aber von der Verwandtschaft mit. "Das ist ja ein ewiges Drama. In unserem Familien-Gruppenchat wird da immer fleißig diskutiert", meint er.

Da bleibt uns nur noch, ihm zu wünschen, dass es mit der NFL-Karriere besser laufen wird als es dem VfB im Abstiegskampf erging. Stuttgart ist definitiv jetzt schon stolz auf seinen ersten Football-Export in die USA.

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