DopeDonnerstag Vorbild für andere Länder? Das müsst ihr über Portugals Drogenpolitik wissen

Wer in Portugal gemütlich kifft, braucht erst einmal keine Strafe befürchten. (Symbolbild) Foto: Shutterstock/Canna Obscura

Stuttgart - Seit es die Menschheit gibt, berauschen wir uns mit allerlei Zeugs. Kauten unsere Vorfahren noch auf irgendwelchen Blättern rum (was einige auch heute noch tun), haben sich die Mittel und Wege, wie sich Menschen Drogen reinpfeifen in den Jahrtausenden immer weiterentwickelt.

Ob man die Substanz jetzt trinkt, raucht, schnupft, kaut, isst oder spritzt - Drogen gibt es in den unterschiedlichsten Formen mit den unterschiedlichsten Wirkungen und natürlich auch Gefahren.

Wir von NEWS711 stellen euch in unserer Reihe "DOpe-DOnnerstag" - kurz "Dodo" - die bekanntesten Rauschmittel, Bewegungen oder drogenpolitischen Themen dieser Welt vor. Wichtig ist dabei, dass wir die Drogen auf keinen Fall verherrlichen, alles was wir wollen, ist aufklären.

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Wenn ihr jemanden kennt, der Suchtprobleme hat oder selbst ein Drogenproblem habt, dann wendet euch bitte an eine Suchtberatung wie zum Beispiel das Servicetelefon des DRK (0800-365000).

Heute geht es um ein Land, das europaweit als Vorreiter in Sachen Drogenpolitik gilt und damit sehr erfolgreich ist: Portugal.

In dem kleinen Staat auf der iberischen Halbinsel sind seit 2001 alle Drogen, egal ob harte oder weiche, sehr gefährliche oder weniger gefährliche, entkriminalisiert. Das gibt es so in keinem anderen europäischen Land, nicht einmal in den Niederlanden.

Was bedeutet Entkriminalisierung konkret?

Der Begriff ist etwas irreführend, da Entkriminalisierung nicht bedeutet, dass jeder Portugiese sich so viele Drogen reinpfeifen oder sie verticken darf, wie er gerne möchte. Trotzdem ist der Besitz und der Konsum von Drogen bis zu einer bestimmten Menge keine Straftat mehr, sondern nur noch eine Ordnungswidrigkeit.

Zum Vergleich: In Deutschland fallen Körperverletzung, Mord, Steuerhinterziehung oder Drogenkonsum unter die Rubrik Straftat, Falschparken oder zu schnelles Fahren unter die Rubrik Ordnungswidrigkeit. Hierbei hat mein keinen Strafprozess oder eine Gefängnisstrafe zu befürchten, sondern muss lediglich Bußgelder zahlen oder Sozialstunden leisten.

Begleitet wird das Programm in Portugal von Aufklärungskampagnen und Hilfe wie Spritzentausch.

Lest hier: Alles zur Anti-Drogen-Bewegung Straight Edge

Welche Menge an Drogen dürfen Menschen in Portugal besitzen oder einnehmen?

Dafür gibt es klar festgesetzte Grenzen. Die Regel: Jeder darf zehn Tagesrationen der jeweiligen Droge besitzen und auch konsumieren. Die Tagesrationen sind dabei recht großzügig berechnet. Das bedeutet konkret: 25 Gramm Marihuana, zehn Pillen LSD oder Ecstasy, zwei Gramm Kokain, ein Gramm Heroin oder Crystal Meth darf man in Portugal besitzen.

Jeder der erwischt wird und mehr als diese Mengen dabei hat, wird als Dealer eingestuft und wird dementsprechend nach dem Strafrecht wie in allen anderen Ländern behandelt. Er oder sie muss befürchten, eine gewisse Zeit hinter Gittern zu landen.

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Kann man trotzdem auch mit kleinen Mengen bestraft werden?

Zumindest beim ersten Erwischtwerden nicht. Allerdings muss man auch dann vor den sogenannten "Ausschuss zur Bekämpfung der Drogensucht", der aus einem Juristen, einem Psychologen und einem Sozialarbeiter besteht. Sie klären über Gefahren auf und bieten Therapien an, wenn der Konsum problematisch ist.

Sollte man jedoch ein zweites Mal beim Konsum oder Besitz erwischt werden, wird meist ein Bußgeld fällig oder man muss Sozialstunden leisten.

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Ist die Drogenpolitik in Portugal besser als bei uns in Deutschland?

Das kann man so pauschal natürlich nicht sagen. Trotzdem sprechen einige Statistiken dafür, dass das Vorgehen Portugals genau das bewirkt hat, was sich die Regierung davon erhofft hatte.

Wie der europäische Drogenbericht zeigt, geht die Anzahl der Konsumenten, vor allem der jungen Konsumenten, bei fast allen Drogen seit der Einführung des Entkriminalisierungsgesetzes langsam, aber stetig zurück.

Genauso rückläufig sind die Zahlen im Hinblick auf Drogenkriminalität und, ganz wichtig, auf Drogentote. Seit 2001 ist die Zahl der Menschen, die durch ihre Sucht getsorben sind, um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Zudem infizieren sich in Portugal seit Anfang des Jahrtausends bis jetzt deutlich weniger Menschen durch Drogenspritzen mit HIV.

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