Counterstrike, Fortnite & Co. eSport im Verein: Sportkultur Stuttgart e.V. als Vorkämpfer in der Region

Der Abteilungsleiter des Bereichs eSports im Verein Sportkultur Stuttgart e.V. Alexander Ebhart und seine Stellvertreterin Inga Holmgeirsson. Foto: Matthias Kapaun

Stuttgart - In den vergangenen Jahren hat der eSport einen wahren Schub erlebt. Immer mehr Menschen messen sich in Computerspielen aller Art mit ihren Gegnern - von der Sportsimulation bis hin zum Ego-Shooter. 

Dabei hat der eSport dermaßen an Bedeutung gewonnen, dass auch schon große Sportvereine wie beispielweise der VfB Stuttgart, professionelle Spieler engagieren, die den Club bei Turnieren vertreten (NEWS711 berichtete).  

Nachdem eSport also im Spitzensport immer beliebter wird, dringt dieses Genre auch so langsam in den Breitensport ein. In diesem Gebiet übernimmt die Sportkultur Stuttgart e.V. eine Vorreiterrolle, denn der Verein hat als einer der ersten in der Region eine eSport-Abteilung gegründet, die seit Juli aktiv ist.

Wir haben uns mit dem Abteilungsleiter Alexander Ebhart und seiner Stellvertreterin Inga Holmgeirsson über die neue Abteilung, die Herausforderungen und die Ziele unterhalten.

Wie seid ihr eigentlich zum Zocken gekommen?

Alexander: Ich bin da eher ein Spätzünder. Richtig angefangen hab ich erst mit 16, als ich meinen ersten Computer bekam. Los ging es damals mit Minecraft. Bei mir steht beim Zocken immer der Spaß im Vordergrund, für mehr hab ich dann ehrlich gesagt auch keine Zeit. Ich hab ja schließlich auch einiges als Abteilungsleiter zu tun.

Inga: Bei mir sieht es ähnlich aus, neben den gängigen Titeln wie beispielsweise "League of Legends" spiele ich sehr gerne auch Rennsimulationen, wie beispielsweise "F1".

Wie kam es zur Idee, eine eSport-Abteilung gerade in diesem Verein zu gründen?

Alexander: Ich wurde Mitte 2017 mal von einem Einheimischen angesprochen, ob das nichts für mich wäre. Ich musste nicht lange überlegen und war gleich Feuer und Flamme. Mit einigen Mitstreitern versuchten wir dann, etwas auf die Beine zu stellen. Dabei wurden wir auf die Sportkultur Stuttgart e.V. aufmerksam, da dieser Verein sich offen für eine eSport-Abteilung zeigte. Anfang 2018 wurde es dann auch konkret. Der Rest ist Geschichte.

Was zeichnet den Verein aus?

Alexander: Die Sportkultur Stuttgart e.V. ist ein Verein, der sehr breit aufgestellt ist. Das Wichtigste ist jedoch, dass man hier offen für alles Neue ist. Das hat uns natürlich sehr geholfen, die eSport-Abteilung ins Leben zu rufen.

Was sind die Vorteile, eSport in einem Verein zu betreiben?

Alexander: Neben der sportlichen Seite finde ich es auch sehr wichtig, dass sich die Mitglieder im Verein kennenlernen und auch außerhalb des Sports Spaß zusammen haben. Daraus können dann logischerweise auch Freundschaften abseits des eSports entstehen.

Was wird bei euch gespielt?

Alexander: Bei uns wird alles gezockt. Da wir gerade noch im Aufbau sind, gibt es natürlich noch nicht viele eingespielte Teams. Ein Counterstrike-Team von fünf Spielern haben wir allerdings schon. Die haben es auch echt drauf, spielen semi-professionell hauptsächlich in Deutschland-Ligen. Außerdem tummeln sich bei uns einige Fortnite-Spieler. Und auch bei Call of Duty und League of Legends könnte sich in naher Zukunft etwas ergeben. Da stehen wir bereits mit Teams in Kontakt.

Wer kann bei euch Mitglied werden?

Inga: Bei uns ist jeder willkommen - egal welchen Alters. Die einzige Beschränkung ist die Altersfreigabe bei den jeweiligen Spielen.

Wie kommt ihr an neue Mitglieder?

Inga: Zum einen natürlich über Mundpropaganda, und dann haben wir ja noch das "offene Vereinsheim". Dabei haben Interessierte ein Mal im Monat die Möglichkeit, sich unsere Abteilung anzuschauen, hinter die Kulissen zu gucken und uns kennenzulernen. Das offene Vereinsheim findet bei uns im SKS Tennisheim Rohracker statt. Nächster Termin ist übrigens der 5. Oktober von 17 bis 19 Uhr.

Wie finanziert ihr euch?

Alexander: Da unsere Abteilung noch in den Kinderschuhen steckt, sind wir gerade auf der Suche nach Geldgebern. Sponsoren sind da ein wichtiges Thema, doch es ist eben schwer, Unternehmen auf deine Seite zu ziehen. Da muss schon jemand sitzen, der für das Thema brennt.

Und wie sieht es mit Förderung von politischer Seite aus?

Alexander: Die Politik macht noch viel zu wenig für den eSport. Wir beratschlagen gerade, ob wir uns an die Stadt Stuttgart wenden. Doch auch dort ist es schwer, jemanden zu finden, der uns unterstützt. Das hängt wohl schon damit zusammen, dass diese Sportart - vor allem auf Vereinsebene - noch viel zu wenig in den Köpfen der Verantwortlichen drin ist. Wenn wir von der Jugendförderung der Stadt unterstützt werden, wäre es schon ein großer Erfolg für uns.

Wo seht ihr den Verein in der Zukunft?

Alexander: In naher Zukunft ist erstmal ein Gaming Room geplant. Den bauen wir im ersten Stock unseres Vereinsheims auf, dann müssen wir nicht immer unsere eigenen Rechner anschleppen oder für LAN-Partys auf andere Locations ausweichen. Momentan arbeiten wir übrigens mit der Soccerhalle Fellbach zusammen, wo wir auch schon an Veranstaltungen teilgenommen haben.

Und die Zukunft des eSports?

Alexander: Wir versprechen uns natürlich, dass der eSport ein angesehener Bereich im Breitensport wird und dass wir mit unserem Verein in Sachen Games und Teams noch breiter und stärker aufgestellt sind. Deshalb freuen wir uns über jeden, der in unsere eSport-Abteilung reinschnuppern will. Wenn ihr Lust auf Zocken in einer lockeren und gemeinschaftlichen Atmosphäre habt, seid ihr bei uns definitiv an der richtigen Adresse.

Vielen Dank für das Gespräch, Inga und Alexander!