0711-Electro Von der Schuldisco bis zur eigenen Eventreihe: Stuttgarter DJ MIRO im Interview

Der Stuttgarter DJ MIRO möchte andere Menschen mit der Leidenschaft für seine Musik anstecken. Foto: MIRO

Stuttgart - Die Region Stuttgart ist dafür bekannt, im Bereich Hip-Hop immer wieder große Namen hervorzubringen. RIN, Bausa oder Cro sind nur einige Beispiele dafür. Das heißt aber noch lange nicht, dass andere Genres nicht auch in der Landeshauptstadt stattfinden.

Vor allem die elektronische Musik und DJ-Szene findet in mehreren deutschlandweit beliebten Klubs wie dem „Kowalski“, „Freund & Kupferstecher“ oder dem „Lehmann“ eine Heimat. Andere Locations wie die „Bar Romantica“ oder das „Climax“ haben ebenfalls krasse Partyreihen mit starken Bookings zu bieten.

Viele der dort auflegenden Künstler kommen aus Stuttgart oder dem Umland, organisieren hier ihre eigenen Events und haben sich teilweise auch über das Schwabenländle hinaus ein Standing in der Szene erarbeitet.

Wir wollen euch hier regelmäßig aufstrebende Electro-, Techno- oder House-DJs aus der Region und ihre Projekte vorstellen. Den Anfang macht MIRO, den einige von euch vielleicht zuletzt auf dem Kesselfestival auf dem Wasen gesehen oder zumindest gehört haben.

 

Moritz, wie MIRO mit bürgerlichem Namen heißt, arbeitet eigentlich in einer Digitalagentur in Stuttgart, seine DJ-Tätigkeit läuft eher als zeitaufwendiges Hobby nebenher. Seit ungefähr einem Jahr ist er nun als Live-Act in verschiedenen Clubs unterwegs.

Seine musikalischen Wurzeln legte er aber schon in der Kindheit. „Als ich ungefähr 12 Jahre alt war, habe ich viel VIVA geschaut und dann zu meinem Vater gesagt, dass ich auch mal auflegen möchte. Dann habe ich zu Weihnachten einen alten, gebrauchten Plattenspieler bekommen und einfach mal losgelegt“, verrät er uns bei einem gemütlichen Bier in der Stadtmitte.

Inzwischen ist MIRO 26 und aus dem alten Plattenspieler sind Turntables auf dem neuesten Stand der Technik geworden. „In meine DJ Ausrüstung habe ich schnell viel Geld reingesteckt“, sagt er.

Das Mixen hat er sich komplett selbst beigebracht, das musikalische Talent hatte er allerdings vorher schon. „Ich habe früher Klarinette im Orchester gespielt und war deshalb schon immer ziemlich nerdy was Musik angeht“, verrät er.

Bis MIRO zum ersten Mal in einem Club auftrat, dauerte es jedoch eine Weile. Zunächst legte er CDs auf Geburtstagen von Freunden oder in der Schuldisco auf. Nach dem Studium schoss er dann häufig Fotos in der „Finca“, die es inzwischen nicht mehr gibt. „Daraus ist eine Art Family entstanden, sodass wir irgendwann eigene Partys geschmissen haben. Wir haben zwar erstmal Miese gemacht, es war aber trotzdem eine geile Zeit“, erzählt er.

Auf diesen Events war er nur als Organisator tätig. Obwohl er mehrmals pro Woche übte, musste ihn 2018 ein Kumpel ins kalte Wasser schmeißen, damit MIRO erstmals vor einer größeren Crowd Musik machte. „Er hat mich mit in einen Club in Berlin geschleppt und dort habe ich zum ersten Mal vor großem Publikum aufgelegt. Schon mein zweiter Auftritt war dann im „Kit-Kat“, einem der bekanntesten Electro-Clubs Berlins“, so der 26-Jährige.

Seine eigenen Sets würde er als „Mix aus House, Disco, Indie und Dance, alles ein bisschen verspielter und fluffiger“ bezeichnen. Je nach Klub und Stimmung legt er auch härtere Techno-Beats auf. Auf ein bestimmtes Genre möchte er sich deshalb nicht festlegen.

Auf die Frage nach seinem musikalischen Vorbild muss er allerdings nicht lange überlegen. „Auf jeden Fall Gerd Janson. Da bin ich schon so ein kleiner Fanboy. Der lebt Musik und ist meiner Meinung nach absolut am Boden geblieben“, schwärmt er vom Resident-DJ des berühmten Offenbacher Clubs „Robert Johnson“.

Mit seiner Musik will MIRO vor allem andere Menschen erreichen und begeistern: „Die Songs und die Musik, die ich spiele, höre ich auch selbst. Diese Leidenschaft möchte ich verbreiten. Es ist toll zu sehen, dass andere das auch feiern. Außerdem kann man Menschen neugierig machen für Neues.“

Neben akribischer Vorbereitung macht für ihn deshalb vor allem Authentizität einen guten Mix aus. „Man sollte sich mit der Musik auseinandersetzen, die Songs mit Leidenschaft aussuchen und seinen eigenen Stil entwickeln. Dann entsteht ein Set mit Charakter“, meint MIRO.

In Stuttgart geht er natürlich auch selbst feiern. Bei der Entscheidung, wo es hingeht, spielen mehrere Aspekte eine Rolle.

„Viele Stuttgarter Clubs haben ihren eigenen Reiz und es kommt immer auf den Abend, die Stimmung, die Leute an. Wenn ich mir aussuche, wo ich selbst feiern geh, lass ich mich meistens vom Booking überzeugen“, sagt er.

Wie geht es nun also in Zukunft weiter für den 26-Jährigen?

Seine eigene Partyreihe „Beside“, mit der er durch unterschiedliche Klubs tourt, wird auch im Sommer weitergehen. Am 10. August legt er beim Seenachtsfest in Konstanz auf. Im Herbst plant er, auch international unterwegs zu sein.

Ansonsten ist er aber stark in der Region verwurzelt und möchte auch hier Dinge bewirken. "Wir sind gerade an verschiedenen Sachen dran, dazu kann ich aber noch nichts Konkretes verraten“, sagt er. Wir dürfen also gespannt sein.

Langfristig hat er auch Lust, einmal selbst zu produzieren und eventuell ein eigenes Album herauszubringen. Das hat er sich schon länger vorgenommen, die Zeit hat es aber noch nicht hergegeben. Für 2020 könnte das ein realistisches Ziel sein.

Wenn ihr neugierig geworden seid, findet ihr MIRO auf Facebook und Soundcloud.

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