0711-Electro „Musik ist wie Urlaub für den Kopf“ – DJ-Duo Molekularmusik im Interview

Timo (r.) und Markus aka. Molekularmusik brennen für ihre Mucke. Foto: Molekularmusik

Stuttgart - Die Region Stuttgart ist dafür bekannt, im Bereich Hip-Hop immer wieder große Namen hervorzubringen. RIN, Shindy oder Cro sind nur einige Beispiele dafür. Das heißt aber noch lange nicht, dass andere Genres nicht auch in der Landeshauptstadt stattfinden.

Vor allem die elektronische Musik und DJ-Szene findet in mehreren deutschlandweit beliebten Klubs wie dem "Kowalski", "Freund & Kupferstecher" oder dem "Lehmann" eine Heimat. Andere Locations wie die "Bar Romantica" oder das "Climax" haben ebenfalls krasse Partyreihen mit starken Bookings zu bieten.

Viele der dort auflegenden Künstler kommen aus Stuttgart oder dem Umland, organisieren hier ihre eigenen Events und haben sich teilweise auch über das Schwabenländle hinaus ein Standing in der Szene erarbeitet.

Wir wollen euch regelmäßig aufstrebende Electro-, Techno- oder House-DJs aus der Region und ihre Projekte vorstellen. In dieser Woche saß unser Redakteur Max mit dem Duo "Molekularmusik" bei einem gemütlichen Bier am Palast der Republik.

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Molekularmusik besteht aus den beiden DJs Markus und Timo. Beide kennen sich schon seit über einem Jahrzehnt, gemeinsam an den Turntables stehen sie aber erst seit dem Sommer 2016. Timo hat lange in Bayern gelebt und ist zum Studium nach Stuttgart gekommen. Hier lernten sich die beiden vor allem durch das gemeinsame Feiern kennen. "Wir haben echt schon sehr viel zusammen erlebt und viel Party gemacht", erzählt Markus lachend.

Der Auslöser, so richtig mit der Musik anzufangen, war das Fusion Festival 2016, auf dem sie zusammen waren. Dass ihre Musikgeschmäcker gut zusammenpassten, war den beiden schon vorher bewusst, doch nun wollten sie auch versuchen, selbst aufzulegen.

Auch wenn Markus früher einmal Teil eins Dancehall- und Raggae-Soundsystems war, fingen beide technisch und musikalisch quasi bei null an.

"Wir konnten echt gar nichts und von Musik in der Schule ist auch nicht viel hängengeblieben", sagt Timo. "Deshalb haben wir uns alles selbst beigebracht. Am Anfang probierten wir einfach viel aus, aber das Grundwissen für Musik mussten wir uns dann schon auch noch reinpfeffern."

Seitdem investiert das Duo viel Mühe, Leidenschaft und Freizeit in ihre Musik. Im Optimalfall treffen sich Markus und Timo zweimal pro Woche, tauschen sich aus und tüfteln an neuen Sets. "Ich verbringe oft mehr Zeit mit dir als mit meiner Freundin", sagt Markus, hat dabei aber ein Lächeln auf dem Gesicht, denn "Molekularmusik" ist für die beiden alles andere als nur Arbeit.

"Das Coolste ist immer, wenn wir uns gegenseitig die Tracks vorspielen, die wir gefunden haben und da geile Sachen dabei sind", schwärmt Timo und Markus fügt hinzu: "Das ist wie Urlaub für den Kopf, da verfliegt die Zeit einfach so schnell."

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Ihr Name verrät schon einiges über ihre Musik. "Moleküle stehen für die Liebe zum Detail von der kleinsten bis zur größten Ebene und dass wir in unserer Musik im Gegensatz zum wahren Leben sehr frei sein können", erklärt Markus. "Der Name ist absolut Programm, da wir wirklich auf jede Kleinigkeit achten und uns oft wahrscheinlich zu viele Gedanken machen, weil ein Laie so kleine Nuancen gar nicht bemerkt", ergänzt Timo.

Die Mucke von Molekularmusik fällt mit Sicherheit unter den Oberbegriff Techno, vereint ansonsten aber mehrere Subgenres. Die oberste Maxime lautet: Es muss tanzbar sein.

Trotz viel Melodie achten die beiden darauf, dass es nicht zu sehr in Richtung House geht. "Außerdem merkt man unserer Musik an, dass wir Kinder der 80er sind, weil wir sehr gerne Synthies einbauen", erklärt uns Timo.

Aus der Riege der international bekannten Künstler hat es Markus und Timo vor allem der Berliner Star-DJ Oliver Koletzki angetan. "Er hat früher richtig heftige Sets gemacht und ihm ging es immer um den Flow und dass seine Musik eine Geschichte erzählt", so Timo. Außerdem feiern die beiden seit Jahren die Sets des eher weniger bekannten, aus Pforzheim stammenden DJs Suedmilch. "Der weiß glaube ich gar nicht, was der geschaffen hat und ist eher ein Mister X. Aber seine Tracks liefen bei uns bei jedem Vorglühen", sagt Markus.

So häufig feiern wie noch vor einigen Jahren können die Molekularmusik-Jungs allein aus zeitlichen Gründen inzwischen nicht mehr.

Wenn, dann werden Aktionen allerdings gut geplant und die Partys anhand der besten DJs ausgewählt. In Stuttgart gehen die beiden am liebsten im Kowalski oder im Café Klotz steil, seit es legendäre Clubs wie das Rocker oder das Romy S nicht mehr oder nur noch in neuer Form gibt. Die beiden Anfang 30-Jährigen feiern besonders die "gediegenen" Sonntage auf der Kowalski-Terasse. "Das ist sehr gemütlich für uns alte Herren", so Markus.

Wenn auch mal tagsüber Zeit zum Chillen bleibt, treibt es die beiden häufig in den Stadtpark. Mit guter Mucke und einer Runde Heckiseck machen sich Markus und Timo den Kopf frei. "Außerdem sind wir voll die Fresssäcke und treffen uns auch einfach mal beim Döner oder ähnlichem", sagt Markus schmunzelnd.

Egal ob, im Park, im Club oder in ihrem liebevoll als "Hasenberg" getauften Studio, schmieden die beiden schon Zukunftspläne.

Man merkt ihnen an, dass sie enorm viel Leidenschaft für ihr Hobby spüren und noch lange nicht am Ende angekommen sind. In naher Zukunft gehe es erst einmal darum, noch mehr Spielpraxis bei Live-Auftritten zu sammeln und zu schauen, wie ihr Sound bei den Leuten ankommt, erklärt Timo. Mit zusätzlichen Geräten soll Molekularmusik zudem eine noch persönlichere Note bekommen.

Wer sich von den Jungs einmal selbst überzeugen will, schaltet entweder am 4. Samstag jeden Monats das Freie Radio für Stuttgart oder am 23. September ab 20 Uhr das "Hauptsache Gute Musik"-Radio ein. Live könnt ihr die zwei am 28. September von 19 bis 20 Uhr beim Sommerfest des Freien Radios in der Stöckachstraße sehen und hören.

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